Wer in Österreich einen E-Scooter besitzt, lebt gefährlich – und ich rede nicht von der Sturzgefahr. Ich rede vom juristischen Totalschaden. Die Rede ist von der
- StVO-Novelle 2026
, die gerade ein ganzes Segment der Mikromobilität gegen die Wand fährt.
Das 250-Watt-Gespenst
Bisher galt in Österreich: Wer unter 600 Watt Maximalleistung bleibt und nicht schneller als 25 km/h fährt, gilt als Fahrrad. Ein vernünftiger Wert, mit dem man auch eine Brücke in Wien oder eine Steigung in Linz schafft. Doch damit ist jetzt Schluss.
Um „europäische Standards zu harmonisieren“, wird die Daumenschraube angezogen: Nur noch Fahrzeuge mit einer Nenndauerleistung von maximal 250 Watt gelten weiterhin als Fahrrad.
Das Problem? Nahezu kein moderner, sicherer und hochwertiger E-Scooter hat nur 250 Watt Nenndauerleistung. Mein eigener Ninebot G2 Max – ein Goldstandard in Sachen Sicherheit und Reichweite – hat 450 Watt. Laut Gesetz ist er damit ab sofort kein Fahrrad mehr, sondern ein Kraftfahrzeug.
Die Absurdität: Ein Gesetz ohne Ausweg
Jetzt könnte man sagen: „Dann melde ihn halt an!“ Aber genau hier zeigt sich die ganze bürokratische Realsatire:
- Anmeldung unmöglich: Um ein Kennzeichen zu bekommen, braucht man ein COC-Papier (EU-Typgenehmigung). Da die Hersteller ihre Scooter aber als „Kleinstfahrzeuge“ und nicht als Mopeds zertifizieren, gibt es diese Papiere schlichtweg nicht.
- Die Haftungsfalle: Da der Scooter mehr als 250W hat, verweigern viele Haftpflichtversicherungen im Schadensfall die Deckung, weil das Fahrzeug rechtlich kein „Fahrrad“ mehr ist. Man fährt also eine nicht zugelassene „Moped-Maschine“ auf dem Radweg.
- Endstation Schrottplatz: Technisch einwandfreie Geräte im Wert von 800 € bis 1.500 € werden durch einen Federstrich unbrauchbar gemacht, weil sie für die Fahrrad-Klasse zu stark, aber für die Moped-Klasse nicht zertifizierbar sind.
Sogar die Leihscooter stehen vor dem Aus
Besonders absurd wird es bei den Verleihsystemen von Lime, Tier oder Voi. Diese massiven, auf Langlebigkeit getrimmten Roller brauchen für ihr Gewicht und die Sicherheitssysteme (Blinker, GPS, IoT) Motoren, die weit über den 250 Watt Nenndauerleistung liegen.
Nach der neuen Regelung müssten fast alle Leih-Flotten in Österreich:
- Entweder verschrottet werden.
- Oder mit roten Kennzeichen, Rückspiegeln und Motorradhelmpflicht ausgestattet werden.
In der Praxis bedeutet das: Die Leihscooter-Anbieter werden aus den Städten gedrängt, weil niemand mit einem schweren Leih-Roller und Integralhelm auf der Hauptstraße zwischen LKWs fahren will, nur weil der Motor 350 statt 250 Watt hat.
Fazit: Klimaschutz durch Fahrverbot?
Wir wollen die Verkehrswende, aber wir regulieren die effektivsten Last-Mile-Fahrzeuge zu Tode. Wer heute einen sicheren Scooter mit Federung und genug Kraft für eine Brücke kauft, steht mit einem Bein im Kriminal.
Österreich hat es geschafft, E-Scooter gleichzeitig als „zu gefährlich für den Gehsteig“ (richtig so!) und als „zu stark für den Radweg“ einzustufen. Übrig bleibt ein winziges Fenster von schwachbrüstigen 250W-Rollern, die beim kleinsten Gegenwind verhungern.
Willkommen im Land der 250-Watt-Schildbürgerstreiche.
Kleiner Tipp für deine Leser (optional):
Wer absolut rechtssicher bleiben will, muss beim Kauf penibel auf das Typenschild achten. Steht dort „Nennleistung: 350W“ oder „400W“ (wie beim neuen Xiaomi 5 Max), ist man rechtlich bereits im grauen Bereich. Nur echte „D-Versionen“ mit 250W-Zertifikat halten den Kopf derzeit aus der Schlinge.


