Author: Grisu

  • Österreichs E-Scooter-Wahnsinn: Warum 90% der Roller über Nacht „illegal“ wurden

    Wer in Österreich einen E-Scooter besitzt, lebt gefährlich – und ich rede nicht von der Sturzgefahr. Ich rede vom juristischen Totalschaden. Die Rede ist von der

    • StVO-Novelle 2026

    , die gerade ein ganzes Segment der Mikromobilität gegen die Wand fährt.

    Das 250-Watt-Gespenst

    Bisher galt in Österreich: Wer unter 600 Watt Maximalleistung bleibt und nicht schneller als 25 km/h fährt, gilt als Fahrrad. Ein vernünftiger Wert, mit dem man auch eine Brücke in Wien oder eine Steigung in Linz schafft. Doch damit ist jetzt Schluss.
    Um „europäische Standards zu harmonisieren“, wird die Daumenschraube angezogen: Nur noch Fahrzeuge mit einer Nenndauerleistung von maximal 250 Watt gelten weiterhin als Fahrrad.
    Das Problem? Nahezu kein moderner, sicherer und hochwertiger E-Scooter hat nur 250 Watt Nenndauerleistung. Mein eigener Ninebot G2 Max – ein Goldstandard in Sachen Sicherheit und Reichweite – hat 450 Watt. Laut Gesetz ist er damit ab sofort kein Fahrrad mehr, sondern ein Kraftfahrzeug.

    Die Absurdität: Ein Gesetz ohne Ausweg

    Jetzt könnte man sagen: „Dann melde ihn halt an!“ Aber genau hier zeigt sich die ganze bürokratische Realsatire:

    1. Anmeldung unmöglich: Um ein Kennzeichen zu bekommen, braucht man ein COC-Papier (EU-Typgenehmigung). Da die Hersteller ihre Scooter aber als „Kleinstfahrzeuge“ und nicht als Mopeds zertifizieren, gibt es diese Papiere schlichtweg nicht.
    2. Die Haftungsfalle: Da der Scooter mehr als 250W hat, verweigern viele Haftpflichtversicherungen im Schadensfall die Deckung, weil das Fahrzeug rechtlich kein „Fahrrad“ mehr ist. Man fährt also eine nicht zugelassene „Moped-Maschine“ auf dem Radweg.
    3. Endstation Schrottplatz: Technisch einwandfreie Geräte im Wert von 800 € bis 1.500 € werden durch einen Federstrich unbrauchbar gemacht, weil sie für die Fahrrad-Klasse zu stark, aber für die Moped-Klasse nicht zertifizierbar sind.

    Sogar die Leihscooter stehen vor dem Aus

    Besonders absurd wird es bei den Verleihsystemen von Lime, Tier oder Voi. Diese massiven, auf Langlebigkeit getrimmten Roller brauchen für ihr Gewicht und die Sicherheitssysteme (Blinker, GPS, IoT) Motoren, die weit über den 250 Watt Nenndauerleistung liegen.
    Nach der neuen Regelung müssten fast alle Leih-Flotten in Österreich:

    • Entweder verschrottet werden.
    • Oder mit roten Kennzeichen, Rückspiegeln und Motorradhelmpflicht ausgestattet werden.
      In der Praxis bedeutet das: Die Leihscooter-Anbieter werden aus den Städten gedrängt, weil niemand mit einem schweren Leih-Roller und Integralhelm auf der Hauptstraße zwischen LKWs fahren will, nur weil der Motor 350 statt 250 Watt hat.

    Fazit: Klimaschutz durch Fahrverbot?

    Wir wollen die Verkehrswende, aber wir regulieren die effektivsten Last-Mile-Fahrzeuge zu Tode. Wer heute einen sicheren Scooter mit Federung und genug Kraft für eine Brücke kauft, steht mit einem Bein im Kriminal.
    Österreich hat es geschafft, E-Scooter gleichzeitig als „zu gefährlich für den Gehsteig“ (richtig so!) und als „zu stark für den Radweg“ einzustufen. Übrig bleibt ein winziges Fenster von schwachbrüstigen 250W-Rollern, die beim kleinsten Gegenwind verhungern.
    Willkommen im Land der 250-Watt-Schildbürgerstreiche.

    Kleiner Tipp für deine Leser (optional):

    Wer absolut rechtssicher bleiben will, muss beim Kauf penibel auf das Typenschild achten. Steht dort „Nennleistung: 350W“ oder „400W“ (wie beim neuen Xiaomi 5 Max), ist man rechtlich bereits im grauen Bereich. Nur echte „D-Versionen“ mit 250W-Zertifikat halten den Kopf derzeit aus der Schlinge.

  • Flugdisaster

    Hintergrund

    Ich fliege regelmäßig von Wien nach Cluj, 2 mögliche Routen stehen zur Auswahl:
    1. Direkt mit Wizz Air
    2. Über München mit Lufthansa Group
    Einige meiner Kollegen fliegen auch regelmäßig und wir tauschen auch immer mal Erfahrungen über die Varianten aus. Bisher sprach einiges für die Verwendung von Variante 2, da Wizz öfter mal Flüge cancelt oder während des Fluges nach Warschau umleitete, etc.
    Bis gestern.

    Der Vorfall

    Ich buchte eine Reise nach Cluj, Hinflug am 20.6., Rückflug am 22.6.
    Der Hinflug klappte wie erwartet, aber der Rückflug:

    Cluj

    Beim Checkin in Cluj erfuhr ich schon, dass der Flug nach München verspätet sein würde und daher den Anschluss in München nicht erreichen würde (8 Minuten). Ich versuchte mit dem Service-Schalter der Lufthansa Kontakt aufzunehmen, da ein solcher nicht in Cluj zu finden ist.
    “Ich kann Ihnen nicht helfen, nehmen Sie Kontakt mit dem Service-Schalter in München auf.” Kam aus dem Headset.
    “Welche Telefonnummer hat dieser?” Fragte ich zurück.
    “Den können Sie nur persönlich nach Ihrem Eintreffen in München aufsuchen, telefonisch ist er nicht zu erreichen.” Kam zurück.
    Ich sollte also bis zu meinem Eintreffen in München warten, um dann über die Möglichkeiten der Weiterreise zu erfahren.

    München

    Beim Eintreffen in München, auf dem Weg zum Service-Schalter:
    Am Ende einer 100m langen Menschenschlange stand ein Mitarbeiter der Lufthansa und versuchte Neuankömmlinge mit dem Satz “Es hat keinen Sinn sich anzustellen, das dauert im Moment sicher 2 Stunden.” zu demotivieren.
    Mittlerweile erreichte mich per Email die Nachricht, dass ich auf den Flug OS118 um 21.35 umgebucht wurde, gemeinsam mit 2 meiner Kollegen.
    Um 21:00 traf ich am Gate ein. Kummer gewöhnt checkte ich auf flightradar den Status des ankommenden Fluges OS117, da dieses Flugzeug für unseren Rückflug vorgesehen war.
    Dieses dreht gerade eine Schleife über dem Innviertel, nahm aber seinen Flug Richtung München wieder auf.
    Etwa 10 Minuten vor der Landung in München, drehte er wieder ab – ich dachte Warteschleife.
    Leider falsch gedacht, der Flug wurde nach Linz umgeleitet. Ich wusste, unser Flug wird bestimmt gecancelt und nach sofort Kontakt mit einen Service-Mitarbeiter am Gate auf, denn wenn der Cancel announced wird, stehen da plötzlich 200 Menschen.


    Leider war dieser auch nicht auskunftsfähig, wusste vom Cancel noch nichtmal Bescheid.
    Ich versammle also meine Kollegen und berate, wie wir nun nach Wien kommen sollten.
    1. Übernachten? Die brauchbaren Hotels am Flughafen München waren schon voll, die Absteigen noch verfügbar. Die dort normalerweise 100€ pro Nacht verfügbaren Zimmer kosteten 500€. Kann uns egal sein, Lufthansa muss zahlen. Aber was dann? Am nächsten Morgen mit den Tausenden anderen um die wenigen freien Plätze in den Fliegern raufen? Ein Kollege hatte eine Umbuchen für den 23.6. über Bologna eben per Email bekommen. Was kommt für uns? Warschau? Düsseldorf? Madrid?
    2. Taxi? Bolt bot uns an, mit der Premium-Klasse für 928€ nach Wien zu fahren. Klingt gut, wir also zum Ausgang. Dort angekommen, war der Preis plötzlich auf 1752€, nicht mehr so gut, das Standardangebot, üblicherweise ein Hyundai i30 o.ä. bei 1200€. Auch nicht schön.
    3. Selber fahren? Sixt bot uns einen A4 für etwa 500€ an, wir also zu Sixt. Bis das Auto fahrbereit war, waren wir auch schon bei 680€, aber was soll’s?

    Wien

    Nachdem ich meine Kollegen zu Hause abgeliefert hatte, traf ich zu Hause ein, um 03:30.
    Mein Koffer war natürlich nicht dabei, also nahm ich mit der Austrian Kontakt auf, mir den Koffer bringen zu lassen. Das geht ja mittlerweile online.
    Um 12:06 erhielt ich ein SMS vom Servicecenter der Lufthansa, wie zufrieden ich mit dem Service war.
    Hä? Wollen die mich verarschen?
    Danach reklamierte ich die mir entstandenen Kosten (Auto + Sprit) bei der AUA, auch das geht online.
    Am Nachmittag um 15:34 erhielt ich ein Email von AUA, dass ich auf den Flug um 21:35 nach Wien gebucht sei. Aha.
    Am Samstag um 06:28 rief mich jemand an, bei meinem Rückruf um 10:00 nach dem Aufstehen, erfuhr ich, dass es sich um die AUA handelte. Also ist mein Koffer in Wien, es geht um die Zustellung.
    Um 13:30 hatte ich endlich einen Menschen am Rohr, dachte ich zumindest.
    Nachdem ich alle Daten, die ich bereits online angegeben hatte wiederholt habe, erfuhr ich, dass ich bitte warten sollte, bis ein Kollege die Daten aktualisiert und mir diese per Email zugesandt hätte.
    Hä?
    Was wollten sie mir dann um 06:28 am Samstag Morgen mitteilen? Mich fragen, ob ich vielleicht schon wach und ausgeschlafen sei?
    17:13: Anruf von AUA, mein Koffer könne heute Abend noch zugestellt werden, zwischen 19:00 und 23:00 Uhr.
    „Können sie es eingrenzen, ich möchte nicht 4 Stunden herumsitzen und auf den Koffer warten am Samstag Abend?“
    „Wenn sie möchten kann ich es verzögern, vor 20:00 wird niemand kommen.“
    „OK“
    18:59 Anruf von einer mir unbekannte Mobilnummer:“Sind Sie zu Hause, wir kommen in 5 Minuten mit dem Koffer.“
    Ich sitze gerade mit Freunden beim Abendessen, zum Glück ganz in der Nähe.
    Ich rase nach Hause.
    19:20: Ich rufe die Nummer an.
    „So schnell sind wir nicht, sind eben erst vom Flughafen losgefahren.“
    Hmpf.
    19:48: Der Koffer kommt.
    Vielleicht doch mal wieder Witz Air probieren?

  • Exklusiv

    Sie kennen exklusiv?
    Exklusiv sind Feriendestinationen, Autos, Schmuck, Kleider.
    Gemeint ist damit: Etwas Besonderes, vielleicht aber auch etwas Schönes. Das ist es, was uns die Werbung seit Jahren eintrichtert. Exklusives soll etwas Erstrebenswertes sein. Jedenfalls ist es teuer, Assoziationen zu Luxus sind enthalten.
    Aber was bedeutet “exklusiv”?
    Aus dem Deutschen Duden: “[gesellschaftlich] abschließend, abgrenzend, abhebend.”
    Also dient etwas Exklusives gesellschaftlich dem Zweck, andere abzugrenzen. “Ich bin besser als Du, ich bin mehr wert.”
    Seit vielen Jahren ein erfolgreiches Geschäftsmodell, sehr oft mit Markennamen verbunden, oft gar nicht mehr ein “echter Wert”.
    Wollen wir das wirklich?
    Sollte unsere Gesellschaft nicht eher #inklusiv, einschließend statt ausschließend sein?
    Bitte versteht mich nicht falsch, ich will Euch nicht die Freude an schönen Dingen verderben, nur ein wenig den Blick darauf richten, was manche Dinge tun, wozu sie (auch) verwendet werden, um auch gegenzusteuern, denn es muss nicht sein.
    Nicht alles was schön ist, nicht alles was teuer ist, muss auch exklusiv wirken, erst die Verwendung macht es dazu.
    Wie denkt Ihr darüber?

  • Diversity?

    Diversity?

    What is important for #diversity?
    Diversity in physical characteristics?
    Diversity in thinking?
    Diversity in personal experience?

  • Pizza der Zukunft

    Bestellung einer Pizza im Jahr 2024

    ANRUFER:
    Ist das Pizza Hut?

    GOOGLE:
    Nein, Sir, es ist Google Pizza.

    ANRUFER:
    Ich muss eine falsche Nummer gewählt haben, sorry.

    GOOGLE:
    Nein, Sir, Google hat letzten Monat Pizza Hut gekauft.

    ANRUFER:
    IN ORDNUNG. Ich möchte eine Pizza bestellen.

    GOOGLE:
    Wollen Sie Ihr übliches, Sir?

    ANRUFER:
    Mein übliches? Sie kennen mich?

    GOOGLE:
    Laut unserem Anrufer-ID-Datenblatt haben Sie in den letzten 12 Anrufen eine extra große Pizza mit drei Käsesorten, Wurst, Peperoni, Pilzen und Fleischbällchen auf einer dicken Kruste bestellt.

    ANRUFER:
    Super! Das will ich haben.

    GOOGLE:
    Darf ich vorschlagen, dass Sie diesmal eine Pizza mit Ricotta, Rucola, sonnengetrockneten Tomaten und Oliven auf einer glutenfreien Vollkornkruste bestellen?

    ANRUFER:
    Was? Ich möchte keine vegetarische Pizza!

    GOOGLE:
    Ihr Cholesterin ist nicht gut, Sir.

    ANRUFER:
    Woher zum Teufel weißt du das?

    GOOGLE:
    Nun, wir haben Ihre private Telefonnummer mit Ihren medizinischen Unterlagen verglichen. Wir haben das Ergebnis Ihrer Blutuntersuchungen der letzten 7 Jahre.

    ANRUFER:
    Okay, aber ich will deine vegetarische Pizza nicht! Ich nehme bereits Medikamente gegen mein Cholesterin.

    GOOGLE:
    Entschuldigen Sie, Sir, aber Sie haben Ihre Medikamente nicht regelmäßig eingenommen. Laut unserer Datenbank haben Sie vor 4 Monaten bei Lloyds Pharmacy nur einmal eine Schachtel mit 30 Cholesterintabletten gekauft.

    ANRUFER:
    Ich habe mehr von einer anderen Apotheke gekauft.

    GOOGLE:
    Dies wird auf Ihrer Kreditkartenabrechnung nicht angezeigt.

    ANRUFER:
    Ich habe bar bezahlt.

    GOOGLE:
    Sie haben jedoch laut Kontoauszug nicht genügend Bargeld abgehoben.

    ANRUFER:
    Ich habe andere Bargeldquellen.

    GOOGLE:
    Dies wird in Ihren letzten Steuererklärungen nicht angezeigt, es sei denn, Sie haben sie mit einer nicht angemeldeten Einkommensquelle gekauft, was gegen das Gesetz verstößt!

    ANRUFER:
    WAS ZUM TEUFEL!

    GOOGLE:
    Es tut mir leid, Sir. Wir verwenden solche Informationen nur mit der alleinigen Absicht, Ihnen zu helfen.

    ANRUFER:
    Genug jetzt! Ich bin todkrank von Google, Facebook, Twitter, WhatsApp und all den anderen. Ich gehe auf eine Insel ohne Internet und Fernsehen, wo es keinen Telefondienst gibt und niemand, der mich beobachtet oder ausspioniert.

    GOOGLE:
    Ich verstehe, Sir, aber Sie müssen zuerst Ihren Pass erneuern. Es ist vor 6 Wochen abgelaufen …

    Willkommen in der Zukunft

  • Abenteuer

    Abenteuer

    Darsteller: Grisu & Curt

    Ort der Handlung: Wiener Innenstadt

    Zeit: 30.12.2020 1:00 Uhr

    Curt ist unruhig, wimmert, wir sind schon im Bett, ich schlafe fest.

    Vom Wimmern geweckt, stehe ich wieder auf und ziehe mich an. „Vielleicht muss er ja“.

    Unsere Eingangstüre ist defekt, schließt nicht richtig, steht offen als wir runterkommen. Curt noch ohne Leine, läuft sofort hinaus, auf den Tuchlauben, Richtung Graben, ich hinterher.

    Als Curt in die Bräunerstraße abbiegt, verliere ich ihn aus dem Blick.
    Vielleicht läuft er ja auf die Wiese vis-a-vis der Albertina, dorthin ist er schon einmal entfleucht.
    Ich also hinterher, dort angekommen, kein Curt weit und breit. Ich haste wieder zurück, Richtung Graben, ständig den Blick schweifend, ob ich nicht einen kleinen weissen Hund erblicke.

    Am Graben angelangt stoppe ich eine Polizeistreife im Wagen und frage, ob irgendwo ein kleiner weisser Hund gesichtet wurde. „Ein weisser Terrier wurde von einer anderen Streife eben in der Naglergasse aufgegriffen.“ erfuhr ich.
    Die andere Streife, besetzt mit 5 jungen Uniformträgern war auch nicht weit, Tuchlauben Ecke Bognerstrasse trafen wir diese.

    Curt saß auf dem Schoß des Fahrzeugkommandanten und ignorierte mich.

    „Ist das Ihr Hund?“

    „Ja.“

    „Wie heisst er denn?“

    „Curt.“

    „Wie sollen wir glauben, dass das Ihr Hund ist, er reagiert ja gar nicht auf Sie?“

    „Er reagiert schon auf mich, denn er ignoriert mich, weil er ein schlechtes Gewissen hat und weiss, dass jetzt sein Solo-Abenteuer zu Ende ist.“

    „Haben Sie einen Ausweis?“

    „Nein, nicht bei mir.“

    „Haben sie ein Foto von dem Hund auf dem Handy?“

    „10.000.“

    Dann haben Sie mir geglaubt und ich durfte mit Curt von dannen ziehen.
    Ankunft zu Hause: 2:00 Uhr

    Nachsatz: Alle 5 Polizisten haben sich einzeln von Curt verabschiedet. Curt ignoriert mich noch immer, vermutlich, weil ich ihm sein Abenteuer versaut habe.